#4. Poesie und Arbeit, Generative KI und Journalismus

Herzlich willkommen zur vierten Ausgabe unseres Newsletters, 
schön, dass Sie ihn abonniert haben!

Heute setzen wir uns mit der generativen KI, dem LinkedIn-Algorithmus und mit der Bedeutung von Inhalt und Sprache auseinander. Wir haben viel zu bereden! Als Dienstleister*innen, als Kund*innen, als Bürger*innen in unserer Gesellschaft. Deshalb halten wir die Anmoderation erneut kurz.

Um die verschiedenen Facetten auszuloten, folgen wir wieder unserem bewährten Dreiklang aus Inspiration, Impuls und Information. Aber lesen Sie selbst.

Euch und Ihnen wünschen wir viel Freude bei der Lektüre – verbunden mit herzlichen Grüßen,

Bettina Dornberg und Christoph Berdi

Inspiration – Poesie am Arbeitsplatz

Leise Worte glühn
tragen Welten in den Tag
Wahre Glücksbringer

Wann haben Sie zuletzt ein Gedicht gelesen – geschweige denn selbst eines verfasst? Man mag es kaum glauben, aber es gibt nicht nur den Welttag der Poesie (am 21. März), sondern auch den Tag der Poesie am Arbeitsplatz – dieses Jahr war er am 13. Januar. An diesem Tag darf man Gedichte während der Arbeitszeit verfassen, so die Idee. Darüber hinaus soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Dichter*innen oft einem Brotberuf nachgingen und -gehen, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern. Franz Kafka, E. T. A. Hoffmann, Joseph von Eichendorff. Oder auch Mascha Kaleko, Harper Lee und Toni Morrison – bevor sie berühmt wurden. Nicht zu vergessen die vielen unbekannten und unentdeckten Künstlerinnen und Künstler.

Wir plädieren: Jeder Tag verdient Poesie. Legen Sie sich einen Gedichtband neben Ihr Bett, auf Ihren Schreibtisch oder schauen Sie ins Netz, um täglich eins zu lesen – am besten laut vorlesen. Oder: Sie probieren es mal – wie wir – mit einem der kürzesten Gedichte von Welt, dem traditionellen japanischen Haiku, dem Dreizeiler mit dem klassischen Muster von 5-7-5 Silben.

Aber bitte, überlassen Sie die Kreation nicht einer KI, sondern werden Sie selbst schöpferisch. Wir prophezeien: Poesie tut gut – sei sie rezipiert oder selbst formuliert; sie lädt ein in eine Welt voller Überraschungen.

Impuls – mit LinkedIn ins programmierte Abseits?

Sie haben es vermutlich längst mitbekommen: LinkedIn hat seinen bisherigen Algorithmus abgeschaltet und durch 360Brew, die neue KI-Anwendung, ersetzt. Das bedeutet einen radikalen Systemwechsel. Das formulierte Ziel: mehr fachliche Tiefe und wieder hin zu mehr fachlichem Austausch auf der Plattform.

Wie schafft die KI das? 360Brew analysiert nicht nur Ihren Post, sondern Ihr gesamtes LinkedIn-Profil: Kommentare und Beiträge müssen kongruent zur jeweiligen Profilidentität sein. Am besten konzentriert man sich auf möglichst wenige Themen – höchstens auf drei. LinkedIn analysiert, zu welcher Zielgruppe Ihre Inhalte am besten passen und ob Ihre Kontakte wiederum interessiert sind an Ihren Skills und Ihrer Erfahrung. Soweit – so aktuell.

Nun zu unseren Bedenken und Fragen an Sie:

Wie beurteilen Sie diese Veränderung? Stört Sie auch die künstliche Verengung Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Karriere, Ihrer Kompetenzen und Ihres Netzwerks? Gerade Soloselbstständigen und Kreativen mit diversifizierten Biografien wird hier indirekt ein Maulkorb auferlegt. Ihre Reichweite sinkt. Ihre Fähigkeit, tiefgründige Beiträge zu einer Bandbreite an Themen zu verfassen, wird vom Algorithmus abgestraft. Nach dem Motto: „Du hast dein Thema verfehlt!“

  • Christoph müsste sich ausschließlich zu Marken und Marketing, zu Handel und ‚Absatzwirtschaft‘ und Journalismus äußern – wobei die Frage wäre, auf welche drei Themen die KI setzt; hier sind schon mehr genannt.
  • Bettina dürfte nur zu PR und Journalismus, Stiftungswesen und Weiterbildung sowie zu kommunikationswissenschaftlichen Themen Stellung beziehen.

All das ist schon willkürlich und verkürzt… Und: Natürlich dürften wir beide zu Identität stiften einen Beitrag leisten, wenngleich wir uns fragen, auf welche Adressat*innen die KI in Zukunft setzen wird? Auf alle oder auf niemandem mehr?

Themeneinstimmigkeit ist etwas für Berufs- und Branchenverbände, aber nichts für ein diversifiziertes, berufliches Onlinenetzwerk.

Wie humorvoll man diese Neuerung auch beschreiben und auf zurückeroberte inhaltliche Tiefe hoffen mag: Unsere Kolleg*innen und Auftraggeber*innen, Freund*innen und Bekannten sowie Kooperationspartner*innen der angrenzenden Gewerke oder einfach auch interessierte Menschen aus völlig anderen Branchen werden wir wohl auf LinkedIn nicht mehr verlässlich erreichen:

– Weil die entschiedene Mehrheit der Menschen, die wir kennen, keine Fachidioten sind – wie wir selbst eben auch nicht.

– Weil das fundierte, argumentativ durchaus tiefgründige Kommentieren über den Tellerrand hinaus bei 360Brew durchfällt.

-Weil wir als engagierte Demokrat*innen an Diskursivität über eine größere Themenbandbreite interessiert sind und dazu unseren Beitrag leisten wollen.

– Weil wir zutiefst an Persönlichkeiten und Lebenswege glauben, die weit mehr als nur ein bis drei zu bespielende Themenfelder und vor allem Kompetenzen bereithalten.

Die Alternative wäre, um der Reichweite willen nur noch den Algorithmus zu füttern. Dafür geben wir unsere Identität nicht auf. Vielleicht ist dieser Gedanke ja… befreiend für alle, die in einer ähnlichen Situation stecken wie wir. Jedenfalls gilt: Wer an Reichweite und Likes interssiert ist, kommt um eine neue Balance zwischen beruflichem Profil, persönlichen Ambitionen und Themenfokus nicht herum.

Information – Journalismus schlägt KI

Generative KI hat bereits ganze Branchen verändert und wird sie weiterhin immens verwandeln. Und: Es betrifft unsere Branche. Wir sind persönlich von KI betroffen. Sie nimmt uns – zumindest potenziell – unsere Wertschöpfung. Sie generiert nämlich Inhalte. Content. Und das trifft den Kern unseres Broterwerbs. Das Herzstück unserer Leidenschaft. Das, was wir gelernt haben, worauf wir mit hohem Anspruch hinarbeiten und womit wir so lange hadern, bis wir endlich zufrieden sind. Alle Medien-, Verlags-, Werbe-, PR-, Lektorats-, Übersetzungs- und Kommunikationsdienstleister*innen erleben diesen Effekt.

Das ist die Realität, und das greift uns nicht nur existenziell, sondern auch emotional an. Das geben wir gerne zu, alles andere wäre gelogen. Künstliche Intelligenz ist unsere stärkste Konkurrentin: Nicht etwa, weil sie auf unseren Kompetenzfeldern auch nur annährend so gut wäre wie wir. Das können wir selbstbewusst und auch im Namen vieler Kolleg*innen negieren. Der Grund ist vielmehr, dass präzise und individuell generierte Mehrwerte an Stoffen, an Information, an Geschichten, an kreativem und professionell errungenem Input spürbar weniger gewertschätzt werden.

Das positiv Paradoxe daran ist:

Journalist*innen und Kommunikationsdienstleister*innen haben genau das zu bieten, was Unternehmen unbedingt benötigen, um im KI-Slop nicht unterzugehen oder in der GEO-Suche zu verschwinden. In unserem Fall bedeutet das: Wir holen exklusive Inhalte durch Interviews und O-Töne von echten Menschen ein, entdecken die Geschichte hinter der Geschichte, stellen ein inspirierendes und gut strukturiertes Storytelling auf und legen gezielte und überraschende Recherchen vor.

Und da ist noch mehr: Selbstverständlich benutzen wir KI, lassen uns aber nichts von ihr schreiben und geben die Hoheit über Texte nie auf.

Was wir allerdings tun, ist, als „Gatekeeper“, als „Hüter des Tores über Inhalt, Relevanz und Stil“ – in Anlehnung an die Nachrichtenforschung – für Persönlichkeiten und Unternehmen einzuspringen, die erkannt haben: Content-Qualität zahlt sich aus.

Journalismus und Demokratie

Und um einen noch größeren Kreis zu ziehen: Journalismus hat in unserer Demokratie eine Funktion. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk etwa verfolgt laut Medienstaatsvertrag einen Bildungs- und Kulturauftrag. Zur Ausbildung von Journalist*innen gehört die Selbstverpflichtung auf den Pressekodex und damit auf Sorgfalt, Wahrung der Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte. Auch PR-Profis verpflichten sich zu Transparenz, Fairness, Integrität. Die Basis aller PR-Kodizes bilden sowohl der deutsche Kommunikations-Codex als auch die internationalen, wie der Code d’Athènes (1965) oder der Code de Lisbonne (1978).

Warum ist das wichtig? Weil eine demokratische Gesellschaft davon lebt. Der Wahrhaftigkeit und Wahrheit verpflichtet zu sein, das ist all diesen Kodizes gemein. Ein mittlerweile wie verschwundener, unbequemer und antiquiert wirkender Anspruch, oder? Was können wir beide uns spielend an lebhafte Diskussionen unseres Studiums diesbezüglich zurückerinnern! Fakt ist jedoch – Grundstudium erstes Semester –, dass wir überprüfbare Quellen angeben, Information und Meinung fein-säuberlich voneinander abgrenzen sowie Journalismus von Werbung und Marketing trennen. Und vor allem – sollten.

Auch wenn man all diese Werte aufgrund von Medienkonzentration, Lobbyismus, Verlautbarungsjournalismus manches Mal vergeblich sucht sowie Green und Social Washing vermutet, ist diese Berufsethik nicht weniger wert oder etwa obsolet. Im Gegenteil:

KI trennt eben nicht genügend scharf zwischen Wirklichkeit und Fiktion. KI kennt nur Wahrscheinlichkeiten, kein Gewissen.

KI-generierter Content wird nicht authentischer, nur weil er millionenfach rezipiert wird.

Mithilfe des Werkzeugs generativer KI hat sich dieses Potenzial exponentiell vervielfacht: Es ist ein Sog entstanden, in dem der Markt für Glaubwürdigkeit, Vertrauen und belastbare Demokratiediskurse nicht größer wird, sondern kleiner. KI unterscheidet nicht zwischen Manipulation und Information, zwischen Fake-News und professioneller Qualität, sondern integriert in die Antworten immer wieder Fehler, bereits widerlegte Fakten und nivelliert kritische Stimmen.

Kein Content, der mit generativer KI erzeugt wird, ist exklusiv. Was die KI erschafft, ist generisch, statistisch gemittelt und kann von jedem erzeugt werden. Da kann man noch so gut prompten. Sie als Persönlichkeit, Ihre Marke und Ihr Unternehmen können mehr – und haben vor allem mehr verdient. Erst recht gilt das für die Demokratie.

#3: Hartmut Rosa, Mut zum Klartext, Holismus

Herzlich willkommen zur dritten Ausgabe unseres Newsletters,

schön, dass Sie ihn abonniert haben! Diesmal fassen wir uns hier in der Anmoderation kurz, denn unser Newsletter ist dieses Mal sehr wortreich ausgefallen… Man möge es uns verzeihen, aber wir können einfach nicht stillhalten und möchten Sie mitnehmen zu dem, was uns besorgt oder beflügelt.

In der Hoffnung, dass unser Beitrag Ihre Zeit verdient, wünschen wir Euch und Ihnen viel Freude bei der Lektüre – verbunden mit herzlichen Grüßen,

Bettina Dornberg und Christoph Berdi

Inspiration – Hartmut Rosa über “Situation & Konstellation”

Wir besuchten zusammen mit Erich Colsman, Co-Autor unseres Buches „Die Werttreiber. Plädoyer für ein holistisches Unternehmertum“, ein Podiumsgespräch mit dem bekannten Soziologen Hartmut Rosa. Anlass war die lit.COLOGNE; für die Moderation zeichnete die Journalistin und Podcasterin Stephanie Rohde verantwortlich. Das Thema setzte Rosas neues Buch: „Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums.“

Hartmut Rosa auf der lit.COLOGNE 

Wir drei waren regelrecht euphorisiert von dieser gelungenen Veranstaltung. Warum? Weil Rosa uns hoch engagiert und nicht müde werdend immer wieder verdeutlicht, wie elementar es ist, in Resonanz zu bleiben – mit anderen, mit der Welt, mit uns selbst, mit unserer Kreativität – ach, mit so vielem. Ein essenzieller Appell, sind wir doch im Begriff, uns selbst zu Vollziehenden, zu Regelbefolgenden und zu Abarbeitenden zu degradieren und uns als Handelnde zu verzwergen.

Wie unser Spielraum schwindet

Zunehmende Regulatorik, bürokratische und algorithmische Systeme, Ja/Nein-Abstimmungen und binäre Klicklogiken führen dazu, dass unser Entscheidungsspielraum schwindet und wir uns als ohnmächtig empfinden. Wir entmündigen uns selbst. So hat sich Rosa – neben vielen anderen konkreten Beispielen – so wunderbar über den VAR im Fußball, also die Videoschiedsrichter im „Kölner Keller“, aufgeregt: Urteilskraft, Fingerspitzengefühl und Augenmaß – der zutiefst menschliche Dreiklang für eine individuelle und verantwortliche Entscheidungsfindung – verlieren an Bedeutung. Und jede Form eines subversiven Elements geht verloren. Mit anderen Worten: Wir schaffen moderne Systeme, die Misstrauen und Unsicherheit säen in unser situatives Urteilsvermögen, das eben weder berechenbar noch skalierbar ist. Wir ersetzen es durch Regeln, Standards, Verordnungen, Kennzahlen und Algorithmen. Tragisch. Menschen verlernen, sich bewusst anders – im Zweifel eben zugewandt – und eigenverantwortlich zu entscheiden. Sie gewöhnen sich an Vollzug und erleben ihre eigene Abweichung von der vermeintlichen Norm als potenzielles Risiko.

Das Subversive ist die Fähigkeit, sich von Situationen und damit von Menschen, Dingen, Erlebnissen berühren zu lassen und anders zu handeln, als es die allgegenwärtigen, kleinteiligen Vorschriften, die jeweiligen Konstellationen, vorsehen.

  • Wann haben Sie das letzte Mal erlebt, dass Sie lieber anders und frei entschieden hätten, als Ihnen es feste Vorgaben diktiert haben?
  • Wann haben Sie sich verunsichern lassen in Ihrem Bauchgefühl, das Ihrer reinen Vernunft widersprach? Wann haben Sie die Ausnahme gewählt, statt die Regel befolgt?
  • Wo handeln Sie selbst lieber ‚subversiv‘ statt konform?

Was uns in diesem Kontext ausnehmend gut gefällt: Bei Wahlen und Umfragen zeigt die taz in ihren Diagrammen die AfD nicht – wie sonst üblich – in hellblau, sondern in braun. Ein herrlich subversives Element, das nach Nachahmung ruft.

Wir sind, alle drei, bekennende Fans von Hartmut Rosa. Deshalb spielen seine Gedanken zu Resonanz, Beziehung und Unverfügbarkeit in unserem Buch “Die Werttreiber” auch eine wichtige Rolle.

Impuls – Klartext gegen die Ohnmacht

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und unser Gehirn liebt Kohärenz. Wir neigen dazu, uns schnell anzupassen und an etwas zu gewönnen, selbst wenn es unseren Werten, Einsichten und sogar der faktischen Realität widerspricht. Was uns nervt, ärgert und beunruhigt, sickert allzu schnell in den Hintergrund. Zurück in unserer Komfortzone, nehmen wir die Störer und Warnsignale von gestern nicht mehr ernst. Kein Wunder, dass sich Unrecht veralltäglicht und Ohnmacht breit macht.

Auf medialer, politischer und unternehmerischer Ebene lässt sich das spielend aufzeigen:

– Nicht beim Überfall der USA auf Venezuela, nicht beim US-israelischen Krieg gegen den Iran, nicht beim Gaza-Krieg – nur bei Russlands Krieg gegen die Ukraine wird mit dem Begriff der Völkerrechtsverletzung operiert. Und genau hier legte gerade erst unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Finger in die Wunde. „Unsere Außenpolitik wird nicht überzeugender, wenn wir Völkerrechtsbruch nicht Völkerrechtsbruch nennen.“ Dafür wurde er umgehend gescholten. Dabei hat er – hier schließen wir uns dem Kommentar der Berliner SZ-Korrespondentin Sina-Maria Schweikle an – „nur das getan, was seine Aufgabe als überparteiliche Instanz ist: ethischen Fragen der Politik nicht auszuweichen und sein stärkstes – und einziges Mittel zu nutzen: das gesprochene Wort“.

– Und: Welche demokratischen Politikerinnen und Politiker thematisieren ernsthaft nach der Landtagstagwahl in Rheinland-Pfalz, dass die AfD dort die eigentliche Wahlsiegerin ist: Sie hat die meisten Zugewinne und das höchste Ergebnis in westdeutschen Landtagen erreicht, ist Siegerin in der jüngsten Wählerinnenkohorte und stellt mit Abstand die größte Opposition im rheinland-pfälzischen Landtag. Laut Prognosen zur Landtagswahl im September in Sachsen-Anhalt stellt sie dort sogar die Regierung. Die politische Reaktion darauf gleicht leider nur dem Pfeifen im Walde.

– In wie vielen Unternehmen sind Diversitäts- und Nachhaltigkeitsinitiativen sang- und klanglos eingemottet worden, seit Trump und Konsorten und in ihrem Kielwasser viele andere extrem rechte Politiker*innen sowie selbst die EU und die Bundesregierung zum Rückzug geblasen haben? Hier zeigt sich, wer Rückgrat hat und Zukunft gestalten will, wer seinen Werten treu bleibt. Und wer stattdessen froh ist, all diesen „Kram“ wieder einzupacken, sich die Überzeugungs- und Konzeptarbeit spart und lieber den Weg des geringsten Widerstands geht.

Klartext reden – das ist das normative, nachahmenswerte Ideal in Politik, in den Medien, in den Unternehmen, in der Gesellschaft. Nachvollziehbar begründet – das ist es, was Bewegung entfaltet und Vertrauen wie Glaubwürdigkeit auf allen Ebenen schafft.

Information – Unternehmer Benjamin Otto über Holismus

Anfang März hat Benjamin Otto die Führung und Hauptverantwortung für die Otto Group von seinem Vater Michael Otto als Vorsitzender des Stiftungs- und Gesellschafterrats übernommen. Und jetzt erschien sein Buch: „Holismus. Lösungen für eine glückliche Zukunft. Ein ganzheitlicher Blick auf Unternehmen, Ökosysteme und die Menschheit.“ Übrigens fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Erscheinen unseres Buches „Die Werttreiber. Plädoyer für ein holistisches Unternehmertum“, das wir zusammen mit Erich Colsman geschrieben haben.


Benjamin Otto, Holismus

Wir haben uns Ottos Buch umgehend gekauft und quergelesen… Auch wenn wir uns mehr Tiefgang gewünscht hätten – diese Kritik sei uns erlaubt –, so freuen wir uns doch sehr darüber, dass holistische Grundideen für den unternehmerischen Alltag aktuell von prominenter Seite propagiert werden.

Nachwort

Vielleicht wird aus holistischer Perspektive ja nachvollziehbar, warum wir in unserem Newsletter den Blick weit offenhalten und Themen ansprechen, die über unsere konkreten Arbeitsprojekte hinausreichen. Bei uns hat das Methode und erzählt von unserer Haltung:

Wir berücksichtigen in der Arbeit mit unseren Klient*innen immer den Kontext, der sowohl persönlich wie professionell als auch gesamtgesellschaftlich mitschwingt.

#2: Rita Süssmuth, Unbranding, KI, Nachhaltigkeit

Herzlich willkommen zur zweiten Ausgabe unseres Newsletters,

schön, dass Sie ihn abonniert haben!

Urlaub zu machen als Freiberufler*innen bedeutet immer wieder eine kleine Herausforderung, nicht doch ein klein wenig zu arbeiten und in Mails zu spicken. Diesen Monat ist es uns gelungen, das (fast) zu unterlassen. Wir haben Sonne, Ruhe, Weite und die Natur mit blühenden Mandelbäumen zutiefst genossen und – geschrieben. An persönlichen Blogbeiträgen und Essays. Sei es, um Texte zu finalisieren, die schon länger im Computer schlummerten, oder auch völlig spontan – aus aktuellem Anlass.

Professor Dr. Rita Süssmuths Tod war solch ein Moment. Ein zutiefst trauriger. Ich lernte sie persönlich kennen in meiner damaligen Rolle als Kommunikationschefin der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland. Das war vor mehr als 20 Jahren. Noch vor fünf Jahren lud ich sie aufs Podium einer von mir initiierten Veranstaltung der Düsseldorfer Soroptimisten in den Industrieclub der Stadt ein (siehe Bild).

Bettina Dornberg (l.) im Gespräch mit Prof. Dr. Rita Süssmuth

Hier geht es zu meinem spontanen, persönlichen Nachruf auf die von mir so geschätzte Politikerin.

Am Dienstag dieser Woche fand der Trauerstaatsakt zu Ehren von Rita Süssmuth im Bundestag statt. Auf ihren Wunsch hin hielt der Journalist und Autor Prof. Heribert Prantl neben Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Kanzler Friedrich Merz seine Trauerrede, die wir Ihnen sehr ans Herz legen möchten. Hier ab Minute 45. Es tut so gut, eine völlig freie Rede eines journalistischen Kollegen zu hören, der auf die wunderbare – durchaus legitime – Idee kam, Rita Süssmuth schlichtweg posthum zur fünften Mutter des Grundgesetzes der Bundesrepublik zu erheben… Solche klugen, kritischen Korrektive sind bitter nötig in einer lebendigen Demokratie. Rita Süssmuth bleibt als unermüdliche Kämpferin dafür für immer unsterblich.

Nun geht’s aber weiter mit unserem zweiten Newsletter „Identität & Resonanz“ – wie gehabt unter den Überschriften Impuls, Inspiration und Information.

Viel Freude bei der Lektüre wünscht Ihnen mit herzlichen Grüßen,

Bettina Dornberg – natürlich auch im Namen von Christoph Berdi

Inspiration – Personal Branding

Hollywood-Star Matthew McConaughey ist bekannt als Hauptdarsteller in erfolgreichen Kinofilmen wie „Interstellar“, „The Lost Bus“ und „Dallas Buyers Club“. In letzterem mimt er einen an AIDS erkrankten Elektriker so überzeugend, dass er dafür den Oscar für die beste Hauptrolle einheimste. Solch anspruchsvolle Rollen hat er seinem Mut zum Risiko zu verdanken. Denn die Traumfabrik hatte anderes mit ihm vor. Sie hatte ihn Anfang der 2000er-Jahre in die Schublade der romantischen Komödie gesteckt. Als es schien, dass er dieser Karrierefalle nicht entkommen konnte, zog er sich zurück und wartete. Und wartete.

Okay, das muss man sich auch leisten können. Aber zwei Jahre lang lehnte McConaugheys jedes leichtfüßige Skript und sogar ein Angebot mit 14,5 Millionen Dollar Gage ab. Das, so sagte er im vergangenen Jahr in der Graham Norton Show (BBC), war wohl der Moment, in dem Hollywood seine unterschwellige Botschaft verstand: „Oh, McConaughey is not bluffing.“ Zwei Monate später trudelten die Angebote ein, auf die er gehofft hatte. Killer Joe. Mud. Magic Mike. Dramatische, anspruchsvolle, charakterstarke Rollen. „Sie wären nicht reingekommen, wenn ich mich nicht 20 Monate unbranded hätte“, erzählt er. Manchmal zahlt es sich aus, sich strategisch rar zu machen.

Anders gesagt: Unbranding gehört zum Instrumentenkasten der persönlichen Positionierung.

Impuls – Kritisches Denken und KI

Künstliche Intelligenz durch den Filter des gesunden Menschenverstands betrachten. Das ist unser Credo im Umgang mit dieser zweifellos transformativen Technologie. Einem Kollegen bei der Agentur Scholz & Friends gefiel der Spruch so gut, dass er freundlich fragte, ob er ihn adoptieren dürfe. Darf er. Und wir empfehlen diese Haltung all unseren Kund*innen sowie den Menschen in unseren privaten Umfeldern. Nicht als Beruhigungsmittel, sondern als Plädoyer für einen faktenbasierten Blickwinkel. Es gilt, genau hinzusehen, sich schlau zu machen und im Gespräch zu bleiben.

Allzu leicht vernebelt der unkritische Hype die Sicht. Schließlich zieht der immense und permanente Bedarf an Investorengeldern auch eine Flut an überzogenen Botschaften und Leistungsversprechen nach sich. Entsteht da eine Blase? Wer weiß. Gleichzeitig darf man sich nichts vormachen: Die Weiterentwicklung der KI erfolgt rasant, im Zweifel exponentiell. Was heute noch nicht gut oder gar nicht funktioniert, kann morgen schon Realität sein. Über kurz oder lang wird jeder Job, jeder Prozess von KI beeinflusst und verändert, optimiert oder schlichtweg wegrationalisiert.

So viel zu lernen und zu verstehen wie möglich ist deshalb das Gebot der Stunde. Die Leistungsangebote der Zukunft sind Bundles aus menschlicher und künstlicher Intelligenz. Darauf müssen sich Unternehmen, die Organisationen der Zivilgesellschaft, Selbstständige und Mitarbeitende einstellen. Der gesunde und – Achtung, Spoiler – auch geschulte und damit für uns immer kritische Menschenverstand ist nicht die schlechteste Orientierungshilfe für eine Welt mit allgegenwärtiger KI. Und Futter für eine notwendig unbequeme Haltung…

Information – E-Book zu Wirtschaft & Nachhaltigkeit

En vogue ist es gerade nicht, für eine verantwortungsvolle und vor allem im sozialen wie ökologischen Sinne nachhaltige Wirtschaft einzutreten. Derzeit werden Klimaschutz und Ressourcenschonung gerne gegen Wachstum, Effizienz und Wohlstand ausgespielt. Dass daraus allenfalls Milchmädchenrechnungen resultieren, die nur aufgrund der externalisierten sowie in die Zukunft aufgeschobenen Umweltkosten vordergründig aufgehen, interessiert eher wenige. Wundersam wie verstörend. Vor fünf Jahren war ambitioniertes Nachhaltigkeitsmanagement noch Mainstream. Umso mehr freut es uns, wenn Beratungen oder Unternehmen nicht lockerlassen und Nachhaltigkeit als strategische Aufgabe begreifen. Egal, wie der Wind gerade weht oder welche kruden Narrative durch die Märkte geistern.

E-Book-Nachhaltigkeit

Deshalb unterstützen wir gerne redaktionell Projekte wie das E-Book Nachhaltigkeit der Allfoye Managementberatung und damit verbundene, starke Case Studys für das Onlinemagazin „Mittelstand heute“. Klickt einfach mal auf die Links und schaut es Euch an. Dabei dürfte deutlich werden: Konsequente Nachhaltigkeit ist kein Gutmenschentum und auch keine grüne Ideologie, sondern betriebswirtschaftlich relevant.

Und nicht zu vergessen: Noch zwei Monate, dann hat Deutschland vermutlich schon wieder seinen nationalen Earth Overshoot Day erreicht. Meint: Wir werden in weniger als einem Vierteljahr schon wieder alle erneuerbaren Ressourcen der Erde, die wir aufgrund der Bevölkerungszahl theoretisch pro Jahr nutzen dürfen, verbraucht und konsumiert haben. Das gefährdet Zukunft, nicht die Investitionen in Nachhaltigkeit.

#1: Vikingur Olafsson, Wahljahr 2026, über uns

Herzlich willkommen zu unserem Newsletter,

schön, dass Sie ihn abonniert haben!

Mit uns verhält es sich nicht anders als mit dem Schuster und seinen Sohlen. Sie wissen sicher, was jetzt kommt – das alte Sprichwort: „Der Schuster hat die schlechtesten Leisten.“ Außerdem heißt es, Lehrer seien privat die miesesten Pädagogen, Beziehungsexperten versagten bei ihren Liebsten. Ob es immer so stimmt, ist die Frage. Tja – gesichert ist, dass wir unsere eigenen identitätsstiftenden Aktivitäten vernachlässigt haben. Nun denn – Erkenntnis heißt Fortschritt.

Unsere neue Website – die alte haben wir im jugendlichen Alter von zwölf Jahren in Rente geschickt – ist online. Endlich beherzigen wir selbst, was wir unseren Kund*innen seit jeher zu Identität und Positionierung, Kommunikation und Resonanz vermitteln. Das hat etwas von Selbstfürsorge und fühlt sich gut an.

Gleichzeitig gehen wir mit der Premiere unseres Newsletters „Identität & Resonanz“ einen Schritt weiter: Unter den drei Überschriften Impuls, Inspiration und Information möchten wir Monat für Monat ebenso anregende wie reflektierende Themen und Gedanken mit Ihnen teilen.

Damit genug der Vorrede, los geht´s,

herzlich

Bettina Dornberg und Christoph Berdi

Inspiration – Die Farben des Klangs

Den isländischen Pianisten Vikingur Ólafsson inspirierte die Farbe Grün für sein aktuelles Album Opus 109 – sein Herzstück von Ludwig van Beethoven gab den Titel –, erschienen bei Deutsche Grammophon.

Wir beide sind bekennende Fans dieses präzisen, sensibel synästhetischen Interpreten, der eben, sobald er den Ton E hört, grün sieht. Ob E-Dur- oder E-Moll-Tonart: Ihm erscheint Grün in allen Nuancen – von hell leuchtend bis dunkelst-sumpfig. Das hat sicher mit seiner Heimat, seiner Herkunft, mit seiner Identität zu tun… 

Vikingur Olafsson, Opus 109

Auch ohne die Fähigkeit zu besitzen, gleichzeitig zwei Sinnesreize zu spüren und Töne, Worte oder Zahlen als Farben wahrzunehmen, liegt hier die Inspiration, es einmal umzudrehen:

Nicht nachzudenken, welche Wörter welche Assoziation, was für ein Bauchgefühl, welche Stimmigkeit stiften sollen. Sondern es umzudrehen und sich zunächst einmal zu trauen, den eigenen primären Empfindungen nachzuspüren, bevor Sie es mit passgenauen Worten verknüpfen. Welchen Duft lieben Sie, wie schmeckt er? Welche Musik lieben Sie, was hören Sie? Welche Kunst interessiert Sie, wie spricht sie zu Ihnen?

Auch auf solch eine Weise kann sich genau hier ein sprachlicher Kosmos von Einzigartigkeit, von Individualität und Persönlichkeit eröffnen, der es wert ist, identitätsstiftend erschlossen zu werden.

Impuls – Für Teilhabe, Vielfalt und Demokratie

Was uns beschäftigt, ist die Tatsache, dass vier Landtagswahlen (in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt), drei Kommunalwahlen(Bayern, Hessen, Niedersachsen) und die Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin auf der diesjährigen Agenda stehen.

Behält die Sonntagsfrage recht, die der AfD Erfolge zwischen 19 und 38 Prozent beschert? Oder siegt doch die kollektive Vernunft, die nicht erlaubt, dass mitunter antidemokratische, eindeutig rechtsradikale und in Teilen rechtsextreme Kräfte noch mehr Sitze gewinnen, künftig Bürgermeister stellen oder Regierungsverantwortung auf Landesebene übernehmen?

2026 ist ein Schlüsseljahr, in dem wir wieder an Demonstrationen gegen die extreme Rechte teilnehmen werden und uns ehrenamtlich engagieren. 

Unser Appell an alle überzeugten Demokratinnen und Demokraten ist, nicht stillzuhalten: im Gespräch über Teilhabe, Vielfalt und Gesellschaft bleiben, sich in öffentliche Diskurse einmischen, Compliance und Werte bei Unternehmen in den kommunikativen Fokus nehmen sowie die rote Karte zeigen, wenn Menschenwürde, Diversität und Pluralismus bedroht werden.

Information – Unsere neue Website

Zur Premiere möchten wir in dieser Rubrik von uns erzählen. Starten wir damit, was wir nicht sind: eine Agentur. Vielmehr sind wir beide Freelancer, Soloselbständige mithin, die fall- und projektweise kooperieren, wenn es für unsere Kundinnen und Kunden Sinn ergibt.

Uns eint die Liebe zur Sprache sowie zu journalistischer Sorgfalt und Qualität. Und die Überzeugung, dass auch Organisationen und Unternehmen eine Persönlichkeit haben, eine geteilte Identität, die Ausgangspunkt einer erfolgversprechenden Kommunikation ist. Von all dem handelt unser neuer Website-Auftritt – nicht fancy und modisch, sondern bewusst in klassischer Gestaltung und Farbcodierung sowie mit persönlichem Touch in der Illustration. Und mit der Times New Roman als durchgängige Schriftart – ein liebevoller Wink an unsere jeweilige Zeit in Zeitungs- und Zeitschriftenredaktionen.

Wir bringen dieselben Werte, aber verschiedene Qualifikationen, Kernkompetenzen und inhaltliche Vorlieben in unsere gemeinsame Arbeit ein. Folgen wir darüber hinaus einem von uns sehr geschätzten Wissenschaftler, der während der gemeinsamen Arbeit in einem Biografie-Projekt folgenden Satz geprägt hat, dann funktioniert das für unsere Kundinnen und Kunden gut:

„Bettina Dornberg ist die Seele und Christoph Berdi das Herz der Identitätsstifter.“

Schön, oder?

Wir freuen uns auf Ihre und Eure Resonanz!